Resümé zum 24. Juli 2019

Flyer zur Veranstaltung
Flyer zur Veranstaltung

Es war eine Lesung über Hannah Arendt, Ingeborg Bachmann, Sarah Kirsch und Christa Wolf als Lyrikerinnen.

 

Nach dieser Lesung sprach eine Frau des Jüdischen Frauenvereins e.V., u.a. hatte sie erwähnt, dass sie selbst Hannah Arendt persönlich kennen lernen durfte. Dies hatte sie schon vor der Veranstaltung erwähnt. Im Verlaufe der Diskussion berichtet sie, dass sie von der Nationalität eine Jüdin ist und dass zu DDR-Zeiten das Thema Juden größtenteils totgeschwiegen wurde. Es wurde nicht über Juden gesprochen, nur über Kommunisten und auch über die Judenverfolgung zu Zeiten Adolf Hitlers wurden die DDR-Bürger viel zu wenig informiert. Sie war in der DDR Geschichtslehrerin und gab Unterricht an der Hochschule für pädagogische Ausbildung für die zukünftigen Lehrer. Sie sagt, dass in den Schulen für den Geschichtsunterricht nur 30 Minuten zur Verfügung standen, um über Juden zu erzählen. Es wurde nur berichtet, dass die Juden in Konzentrationslagern waren und verfolgt wurden, aber welchen Hintergrund die Juden hatten, wie sie lebten, ihre ganze Ursprungsgeschichte, dass sie in Deutschland auch die Städte und die Industrie mit augebaut haben und damit sehr viel in Deutschland bewegt haben, davon wurde im Geschichtsunterricht nicht erzählt. Dass, wenn Juden aus den Wohnungen gezerrt wurden ins Internierungslager, Freunde, Nachbarn und Bekannte hinterher in diese Wohnungen der Juden gingen und die Wohnungen ausräumten, Bilder, Wertsachen, Porzellan und private Dinge und sich daran bereicherten, ist kaum bekannt. Davon wurde in den Geschichtsbüchern und im Unterricht nicht erzählt. Ich fragte sie innerhalb der Diskussion, inwieweit die Lehrerin mit den Widersprüchen in der Geschichtsdarstellung des Lehrunterrichts zurechtkam und auch ein weiterer Zuschauer namens Jürgen brachte sich mit dieser Problematik ein. Daraufhin fragte sie, ob sie das als Jüdin oder als Lehrerin beantworten solle. Dann erzählte sie, dass sie über die Darlegungsweise sehr enttäuscht gewesen ist. Sie selbst wurde 1960 als elternlose Jüdin mit 14 weiteren Kindern und Jugendlichen von Hannah Arendt in die USA eingeladen. Diese Begegnung war eine der wertvollsten Begegnungen für sie und das Erlebnis klingt heute noch in ihr nach.

Sie gehört der Jüdischen Gemeinde an, aber sie hat keinen jüdischen Glauben und äußert mehrmals, dass sie judischer Nationalität ist, aber sie übt nicht die Religion aus. Sie ist deutsche Staatsbürgerin mit jüdischer Nationalität. Sie spricht auch davon, dass sie nach der Wende das Hannah-Arendt-Institut in Dresden mit aufgebaut hat und dort lange Zeit ehrenamtlich mitgewirkt hat. Der Jüdische FrauenVerein Dresden e.V. wirkt aktiv in Schulen. Dort berichtet er von der Judenverfolgung, dem Antisemitismus auch der heutigen Zeit. Heute kommen ukrainische Juden nach Deutschland, weil sie verfolgt und ausgewiesen werden, seitdem der Krieg zwischen Russland und der Ukraine besteht, weil sich die Ukraine als ein selbständiges Land versteht. Es werden dort nur Menschen mit ukrainischer Nationalität anerkannt, wogegen Menschen mit jüdischer Nationalität in der Ukraine nicht mehr anerkannt werden. Ukrainische jüdische Kinder in Deutschland haben hier oft Schwierigkeiten mit den Russlandübersiedlern, die nach Deutschland nach der Wende gekommen sind. Es ist eine Aufgabe des FrauenVereins Dresden e.V., diesen Kindern Unterstützung und Hilfe zu geben. Es geht um das Verständnis, wie wichtig es ist, gegen Antisemitismus anzukämpfen. 

Sie wies uns auch au Sie wies uns auch auf die Schriftstellerin Renate Apitz hin, die, wie Hannah Arendt, in die Reihe schreibender Jüdinnen gehört. Nach diesem interessanten Beitrag kamen wir in der Diskussion auf die Eindrücke zur Lesung zurück.

 

Marlies erzählte, dass sie Gedichte sehr mag und sie von der dargebrachten Lyrik sehr angetan war. Irene sagte, dass ihr bisher nur Hannah Arendt im Zusammenhang mit dem Film zum Nürnberger Prozess „Fall Eichmann“ und als Philosophin bekannt war und sie deshalb die Veranstaltung besucht hat, um auch die Lyrik kennenzulernen. Wir bekamen auch von den anderen Teilnehmern ein positives Echo. Die ausgewählte Musik von Marlies war zu den Texten sehr einfühlsam ausgewählt und vorgetragen, die Auswahl der Gedichte wurden mehrfach gelobt.

Auch wenn wegen der Hitze sehr viele absagen mussten, war es ein sehr interessanter Nachmittag.

Vorerst ist für den zweiten Sonntag im September eine Radiosendung im ColoRadio geplant, in der Brigitte und ich diese vier Autorinnen nochmals vorstellen werden. Eine weitere Veranstaltung darüber ist in Planung.