Literarisch-Musikalischer Salon

 

Resümé vom 13.09.2019 - literarisch-musikalischer Nachmittag

 

Der literarisch-musikalische Nachmittag fand diesmal bei Brigitte statt. Sie hatte schon den Tisch gedeckt und wir aßen leckeren Plaumenkuchen. Danach setzten wir uns in die gemütliche Sofaecke und stellten unsere Bücher vor.

 

Claudia stellte das Buch "Der Klavierspieler vom Gare du Nord" von Gabriel Katz vor:

Ein hochbegabter Junge, der aus schwierigen Verhältnissen kommt, trifft auf einen alternden und vom Leben enttäuschten Musiklehrer. Er nimmt sich des Jungen an und will ihn gegen alle Widersprüche zu einem renomierten Klavierwettbewerb (Grand prix d'excellence) schicken. Aber der Junge ist unberechenbar und die Hoffnungen des Musiklehrers werden immer wieder auf die Probe gestellt. "Musik ist die Sprache, die jeder versteht. Musik hat eine direkte Wirkung auf unsere Gefühle. Jeder von uns lebt mit Musik, es ist völlig egal, welche Musikart es ist, ob man Noten lesen kann oder ein Instrument spielt. Bestimmt kann jeder behaupten, dass etwas mit einem geschieht, wenn man Musik hört. Die Töne folgen aufeinander, fließend, sanft und ruhig wie ein Fluss, und ich höre nur noch sie." schreibt Gabriel Katz in seinem Buch.

 

Heidi stellte das Buch "Wie ich Klavierspielen lernte" von Hanns-Josef Ortheil vor:

Eine „goldene Regel“ unserer Nachmittage ist, dass keine der Beteiligten vorher weiß, welches Buch oder welche Musik die anderen Frauen vorstellen. Dass Heidi nun ein ähnliches Buch vorgestellt hat, war also unbeabsichtigt, aber passte in die Buchvorstellung sehr gut. Es ist ein autobiographisches Buch. Der Autor ist 4 Jahre alt als er zum ersten Mal Klavierunterricht bekommt. Seine Mutter war seit dem Tod ihrer 4 Kinder im 2. Weltkrieg sprachlos geworden. Und so wuchs der Junge ebenfalls sprachlos auf. Die Kommunikation erfolgte über das Klavier. Angeleitet von der Mutter machte er große Fortschritte. Als er später mit Hilfe des Vaters sprechen lernt, beginnt auch die Mutter mühsam wieder zu sprechen. Der Junge kommt zu einer Klavierlehrerin und erreicht durch sein großes Interesse, neugierigen Fragen und durch den frühzeitigen Wunsch, Pianist zu werden, sogar ein Stipendium in Rom.

Heidi hatte das Buch noch nicht ausgelesen. Jeder Satz des Buches ist aus der Sicht der jeweiligen Entwicklungsstufe des Jungen und aus der Sicht des Erwachsenen geschrieben.

 

Marion stellte anschließend das Buch "Die Villa an der Elbchaussee" von L. Johanson vor:

Das Schicksal einer Schokoladen-Dynastie. Das Buch schildert eine Familiengeschichte 1919 in Hamburg. Das Kontor Hannemann & Tietz handelt nicht nur mit Kakao, sondern betreibt auch eine Manifaktur für die Herstellung von Schokolade. Frieda, jüngster Spross der traditionsreichen Kaufmannsfamilie, würde am liebsten ihre Tage in der Schokoladenküche oder im Trubel der Stadt verbringen. Als ihr Vater sie mit dem Sohn eines befreundeten Handelspartners verheiraten will, um das Überleben der Firma zu sichern, bricht für Frieda eine Welt zusammen. Ihr Herz schlägt für einen anderen. Wird es ihr gelingen, das Erbe der Familie zu retten, ohne ihre Liebe zu verraten? Ein Roman mit historischem Hintergrund, vielen Turbulenzen und Beziehungen.

 

Brigitte stellte das Buch „Einer von uns“ von Arne Seierstaad vor:

Das Buch stellt die Frage und forscht ihr nach: Wie konnte sich Anders Breivik, der im wohlhabenden Westen aufwuchs, zu einem perfiden Terroristen entwickeln? Wer ist der Mensch hinter einer unfassbaren Tat? Für die Recherche zu "Einer von uns" sprach der Autor mit Angehörigen Anders Breiviks und Familien der Opfer: Die Journalistin dämonisiert den norwegischen Massenmörder in ihrer Biographie nicht, sondern rekonstruiert seine Geschichte in forensischer Detailtreue: "Der erste Schuss traf den Jungen, der außen lag, in den Kopf. Dann zielte er auf ihren Hinterkopf. Ihr lockiges, kastanienbraunes Haar schimmerte im Regen. Die Kugel drang durch den Schädel ins Hirn. Er schoss noch einmal, diesmal in die Stirn." Die norwegische Auslandskorrespondentin, die zuvor aus dem Irak oder Libyen berichtet hat, rekonstruiert die Geschichte des Massenmörders Anders Behring Breivik. Sie beschreibt, wie Breivik am 22. Juli 2011 in oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen ermordete. Ein 32-jähriger, der sich als moderner Tempelritter versteht und als "Retter des Christentums" seiner Regierung den Krieg erklärt. Ein spannendes flüssig zu lesendes Buch mit wahrem Hintergrund, das das Versagen von Polizei und Politik nicht deutlicher ausdrücken kann.

 

Elke erzählte uns anschließend über „Goethes Enkel“:

Nach dem Tod von Johann Wolfgang von Goethe sahen sich die drei Goethe-Enkel (Walther Wolfgang, geb. am 09.04.1818, Wolfgang Maximilian, geb. am 18.09.1820 und Alma Sedina Henriette Cornelia, geb. am 29.10.1827) in einer recht unangenehmen Situation. Der Weimarer Goethe-Kreis stellte sie in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Jedoch zeichnete sich keines der Kinder von Goethes Sohn August und seiner Frau Ottilie durch besondere Begabungen aus. Durch die hohen Erwartungen an sie, wurden sie menschenscheu und von Nervenkrisen geplagt. Walther Wolfgang wurde zum Klavierunterricht zu Felix Mendelssohn-Bartholdy geschickt, der ihm kein Talent zurechnete. Auch andere Lehrer bestätigten dies. Er versuchte es als Schriftsteller, hatte aber keinen Erfolg. Wolfgang Maximilian promovierte zwar zum Doktor der Rechte, versuchte sich auch als Schriftsteller, erkrankte schwer und versuchte seine Neuralgien durch zahlreiche Kuren zu heilen. Letztlich übte er das Amt eines preußischen Legationsrates in Rom uns Dresden aus. Später bekam er schweres Asthma. Beide Brüder blieben unverheiratet. Die männliche Goethe-Linie wurde dadurch beendet. Alma, die Jüngste, ging gern Tanzen. Ihre Großmutter sagte über sie "ihr Geist sei in den Füßen angesiedelt". Sie starb mit nicht einmal 17 Jahren an Typhus.

 

Herzlichen Dank an Brigitte für ihre Gastfreundlichkeit. Der nächste Literarisch-musikalische Salon wird voraussichtlich bei Marlies stattfinden. Der Termin steht noch nicht fest.